Allzeit aufbruchsbereit

Die Schnelllebigkeit, die Flexibilität, der ewige Datenfluss, das Bewusstsein, dass irgendwo immer Tag ist und es auch ohne einen weiter geht, das alles vermittelt den Eindruck, dass es wichtig ist, allzeit bereit zu sein, genauer: allzeit aufbruchsbereit.

Auch wenn man gerade recht bequem sitzt, sollte man bloß nicht faul werden, bloß nicht zu sehr verweilen, oder zumindest dabei die anderen Optionen im Auge behalten!
Aufbruchsbereit zu sein heißt darum auch, immer auf der Lauer zu liegen und rechtzeitig den Absprung zu schaffen, im Zweifel voreilig.
Denn wer schneller aufspringt ist auch eher vorn oder sogar der Erste! Und auch schneller weg, wenn es Ärger gibt!

Also haben wir unser Survivalpack immer dabei. Alles, um von jetzt auf gleich zu verschwinden oder einen anderen Weg zu nehmen als geplant, in den Süden statt in den Norden oder umgekehrt. Wenn man weit kommen will, dann muss man überall hin! Ballast muss abgeworfen werden. Bloß keine Sentimentalität! Bloß nicht an Dingen hängen, die nicht bzw. nirgends reinpassen! Das wichtigste ist klein, maßgeschneidert fürs Handgepäck, Notebooks, iPhone & Co. Und dann los, ohne schlimme Abschiedsszene, denn im World Wide We sieht man sich wieder, darin geht so einfach keiner verloren!

Die permanente Aufbruchbereitschaft ist also nützlich, mehr noch, notwendig! Auch wenn es meist bei nur bei einem hibbeligen Gefühl bleibt, durch das man auf dem Stuhl hin und her rutscht, auf die Tür oder das Telefon starrt, während das andere Leben dann doch nie anklopft. Aber so ist das nun mal. Man lebt auf dem Sprung, sonst trifft man kein Sprungbrett, und manchmal ist es auch ganz angenehm, sich damit zu rechtfertigen, wenn man sich nicht festlegen kann, festlegen will.

Vielleicht, weil eine nicht so ganz erklärbare Angst existiert, die einen davor warnt, in einem Leben haften zu bleiben, das vielleicht nicht die beste Option war. Und dann ist da, ganz gut versteckt, auch noch das Bewusstsein, dass es dumm ist, sich für eine Sache zu entscheiden und nur auf diese eine Sache zu setzen, da es keine Garantie gibt, dass alles gut gehen wird. Und bevor man leer ausgeht, also gar nichts mehr hat, nur sich selbst, und keine Ablenkung, ist es besser, den Plan C, D und E in petto zu haben, am Besten ohne Prioritäten untereinander. Und außerdem offen zu sein, für unbekannte Pläne. Dann wird schon irgendwas klappen! Wenn nicht, kann man sich wenigstens sagen, dass man ja auch nicht so richtig überzeugt war, und da eher reingeraten ist, sich also nicht bewusst dafür entscheiden hat, was ja auch stimmt, denn es gab ja auch den Plan Y, und bei so vielen Optionen kann man ja nicht erwarten, dass jede durchdacht ist…

Sowieso, wie soll man sich auch entscheiden, wie soll man wissen, was einem gut tut oder richtig ist, oder in welchem Leben man wirklich ankommen will, oder ob man überhaupt ankommen will, bevor man alles mal ausprobiert und kennen gelernt hat! Die Welt ist doch so voller Farben, Bilder und Möglichkeiten… Mein Gott, da ist ja noch eine Menge zu tun, schnell einen Zahn zulegen! Zum Glück hat man seine Aufbruchsbereitschaft immer mehr kultiviert, denn wenn man nicht flink ist, zu viel schaut und anhält, braucht man am Ende ein ganzes Leben, bis man auch nur ansatzweise alles kennen gelernt hat und wissen kann, was das Beste für einen ist…

Wie blöd nur, dass es immer weniger gibt, was einen fesselt, und man gar nicht das Gefühl hat, jetzt eher zu wissen, was man mag oder wo(mit) man es gut aushält, und dabei ist der Berg vor einem nicht mal wirklich kleiner geworden… Aber jetzt hat die Uhr (oder die Bombe?) schon angefangen zu ticken, also nicht nachdenken, das hält nur auf, schnell weiter, auf geht’s, los!

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