Die Zeit übersehen

Es ist so leise, dass man sich kaum traut, ein Geräusch zu machen.
Eine Uhr tickt deutlich.
Die Landschaft ist leicht vernebelt. Zeitlos. Entrückt.
Man hört die Schiffe nicht, die vorbei gleiten.
Man blickt nur von weit oben auf sie hinab.

Draußen winzige Fliegen vor der Scheibe, schwebend.
Die Gardinen, die Tapete. Konserviert.

Keine Musik. Nur ganz entfernt Stimmen. Ein Fernseher oder ein Radio.
Als würde man sich selbst beobachten. Zurückgelassen. Vergessen.
Der letzte Mensch.

Die Blumen träumen von etwas, was sie verpasst haben.
Farbenfroh vertrocknen sie stillschweigend.

Statt zu sprechen wird geflüstert.
Automatisch hält man die Luft an.

Der Raum ist Verschwinden und Vergänglichkeit.
Erinnerungen schaukeln auf den Lampen.
Gedanken aus der Zeit, als alles noch neu war.
Als das Leben zu Gast war, Tag und Nacht.

Alles altert.
Nur nicht dieser Raum, den die Zeit übersehen hat.
Er ist so jung wie damals, doch seine Jugend unerreichbar fern.

Wie eine Blase, die jederzeit platzt.

Bellevue

Bellevue

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