Der Ort und der Garten

Eine illustrierte Kurzgeschichte

Text & Grafik von Claire Walka, Originalformat DinA 4

…Es war ihm einfach unmöglich, an einem Ort zu verweilen oder auszuharren. Die Ankunft verhallte im Echo des Abschieds, der Reiz des Unbekannten verwehte mit dem schwindenden Tag. Die Ankommensfreude war zur größten Freude seines Lebens geworden und doch nur eine Eintagsfliege aus Herzklopfen und Erwartung. Das kurze Hochgefühl verflog mit jedem Atemzug der Vertrautheit und verschwand im Sog der Alltäglichkeit…

… Als der Lärm der Subway verhallte blinkte ein Licht auf, die Flamme eines Feuerzeugs. Ein Mann blickte Finn ins Gesicht, mit kohlschwarzen und zugleich blitzenden Augen. »Was suchst Du hier, ausgerechnet hier?« »Was ich suche? Ich weiß nicht. Vielleicht etwas wie den Herzschlag der Stadt, ihre innere, heimliche Aufgebrachtheit, ihr Zentrum, aus dem Verstrickungen entgleiten und Knoten verzweigen. Den Pol, an dem ein Kreislauf im anderen endet!« »Du willst die Stadt kennenlernen, ihr organisches Wesen? Du willst ihr verchromtes Knochengerüst erklimmen, um dem Sog, dem Puls, der in ihr Herz führt, zu folgen? Willst im Staub ihrer Lungen versinken? Im Chaos ihrer entgleisten Gedanken verzweifeln und dem Wahnsinn verfallen, wie sie selbst? Willst die Leere erfahren, die sich in ihren Spalten und Schluchten, ihren Zwischenräumen verbirgt? Die Leere, die unsichtbar ist und doch vorhanden in den unzähligen Menschenleben, die so unsichtbar sind, wie die Leere selbst ?…«