Marlboro-Romantik

Die menschliche Emotion wird für alles Mögliche gebraucht.
Zum Beispiel zur Vermarktung von Scheiße.

Alles was man liebt, existiert auch in der Werbung oder in schlechten Filmen.
Und was war zuerst da?

Der intelligente Mensch lässt sich von der Sentimentalität der Werbung oder schlechten Filmen nicht beeindrucken oder manipulieren!

Der Verstand ist wach und kontrolliert die Möglichkeiten von Verdummung. Man distanziert sich besser von den allzu bekannten Phrasen und Taten!

Doch wo ist die Grenze zwischen Schwülstigkeit und Authentizität?
Ein schmaler Grad.

Wenn man auf der sicheren Seite bleiben will, distanziert man sich am Besten grundsätzlich davon, Emotionales gut zu finden! Das ist alles Kitsch, seicht, sentimental, pathetisch, süßlich, überladen und so weiter.
Es wird zwar so auf lange Sicht jede Art von Gefühl lächerlich, aber wenigstens macht man sich selbst nicht lächerlich!

In der Kunst ist besondere Vorsicht geboten. Da ist man besser pervers als romantisch, wenn man etwas machen will, was doch ein bisschen „unter die Haut“ geht. Sonst könnte man sich als minderbemittelter Hobby- oder Möchtegernkünstler outen!

Das „Schönste Gefühl der Welt“ eignet sich eigentlich nur noch als Rosamunde-Pilcher-Futter! Emotion, Kitsch, Romantik – besser nicht, denn das ist doch was für die verblödete Masse, Privatfernsehen, kunstfreie Zone, Mainstream, reisserisch, unterste Schublade!!!

Auch mir wurde bei manchen Filmen gesagt, dass ich aufpassen muss, nicht in Kitsch „abzurutschen“ oder an einen Werbeslogan zu erinnern. Tja… Ob mir das gelungen ist…

Nur, wenn die Ratio überdominant wird, und man sich von Emotionalität immer weiter distanziert, leidet auch die Lebensfreude und alles wird eintönig. In Filmen, in Büchern, in der Kunst, aber vor allem im Leben.

Was auf uns eingeprasselt ist, lässt sich leider nicht mehr löschen.

Manchmal wünsche ich mir, frei von all den Verunstaltungen zu leben.
Frei zu sein von dem ganzen Wissen, und all dem Beurteilen, dem kritischen Hinterfragen.

Es wäre schön, Dinge sagen zu können, Dinge schön finden zu können, von Dingen zu träumen, ohne zu wissen, dass sie schon tausend Mal in Daily Soaps gesagt und getan wurden…

Den Sternenhimmel ansehen, ohne jemals das Wort Kitsch gehört zu haben…
Einfach so sentimental, kindisch, theatralisch, hysterisch, esoterisch, … sein.

Ja. Ich bekenne mich zur „Marlboro-Romantik“…

Feuer, Sterne, Felsen, Kornfelder, Nachtwanderungen, Meer, das Morgenblau, Kondensstreifen, coquelicot-Felder, blaue Berge im Dunst, verwilderte Wälder, Sonnenstrahlen in Baumkronen, Strohballen…

Ich gebe zu, das funktioniert bei mir!

Und warum auch, nicht zu Abwechslung?

Das wollen, was alle wollen…

An einem schönen Ort sein. Ein Zuhause haben. Um einen herum Menschen, die man liebt. Akzeptiert sein. Keinen Druck. Keine Scham. Mal dumm sein dürfen. Mal Fehler machen. Ende der Kontrolle. Eine heile Welt! Ganz wie in der Werbung!

In den verbrauchten und missbrauchten Bildern steckt irgendwie doch noch eine Art Wahrheit über uns Menschen. Auch wenn uns (bzw. mich) unsere Bedürfnisse und Sehnsüchte* in ihrer aufpolierten, medial „wirksamen“ (?) Aufbereitung oft ankotzen.

*schreckliches Wort, vielleicht weil es ebenfalls stark missbraucht wurde…z.B. für Reisebroschüren oder Adels-Groschenromane.

Und trotzdem bin ich froh darüber, dass ich Dinge, die als trivialer Kitsch und abgestandene Romantik gelten, immer noch auf meine Weise genießen kann, und so Freude an den einfachen Dingen des Lebens finde!

Ich finde zum Beispiel, es gibt Orte, Begegnungen und Momente, wo einen etwas still beeindruckt, und dann spürt man auch, dass man nicht der erste Mensch ist, der dieses Gefühl hat, sondern dass es in jedem steckt, dass es universell und zeitlos ist.

So etwas Universelles hat man entdeckt, wenn man andere Menschen mit etwas, was man tut, sagt oder geschaffen hat, berühren kann.

Das klingt jetzt auch wieder kitschig. Aber ich finde die Vorstellung schön!

Veröffentlicht in: Blog

2 Gedanken zu „Marlboro-Romantik

  1. Verena sagt:

    … ich finde nicht, dass „kitsch“ ausschließlich etwas negatives ist. „kitsch“ kann einen belustigen. unterhalten. berühren. und das ist alles gut. ich z.b. liebe ABBA-songs, und es ist mir ehrlich gesagt, ziemlich egal, ob die kitschig sind. ich liebe sie einfach. und das heißt in keinster weise, dass deshalb aus mir automatisch ein oberflächlicher, unkritischer mensch wird.

    • clairewalka sagt:

      Ja, ich finde auch, dass Kitsch auch eine Bereicherung sein kann. Und irgendwie ist die Fähigkeit, sich mitreißen und berühren zu lassen, letztendlich mehr wert als jedes Wissen oder jede Intellektualität…
      Abba gefällt mir auch, und ich wurde sogar einmal mit „Fernando“Singstar (das einzige Mal überhaupt…)
      Ich mag ja sogar Johnny Hallyday. Diese Inbrunst… Schlimm aber irgendwie hat es doch auch was… Auch wenn der Typ echt krass ist… Mein Favorit ist dieses etwas wehleidige Lied:

      http://www.dailymotion.com/video/x2puvj_johnny-hallyday-ce-que-je-sais_music

      Si je m’en sors moins mort que vivant
      Et si je sens mieux le feu, le feu et le sang
      C’est que jamais, oh jamais non personne
      N’a su pour moi ce que je sais ce que je sens
      Non jamais non personne n’a su pour moi
      Ce que je sais ce que je ressens
      Ça je le sais, oh je le sais maintenant…

      (Übersetzung folgt auf Anfrage)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.