Platzgeiz

Vor ein paar Tagen war ich mit einer Freundin im Urlaub. Zu einem schönen Urlaub gehört, hin und wieder Essen zu gehen. So betraten wir ein Restaurant, schauten uns um und sichteten einen Platz, der uns gefiel.

Als wir uns gerade hingesetzt hatten, stellten wir fest, dass der Tisch reserviert war, und da kam auch schon der Kellner angelaufen. Er führte uns an einen anderen Platz und wies uns an, genau dort Platz zu nehmen.

Es war ein kleiner Tisch, an den wir gerade so hinpassten. Der Tisch stand in der Ecke von Raum teilenden, halbhohen Wänden, die das Restaurant in verschiedene Abschnitte unterteilte. Eine Holzsäule verband die halbhohen Wände mit der Decke.

Der Tisch war direkt an die Ecke geschoben, wir saßen dadurch beide mit dem Rücken zum Raum, vor uns die Säule und die halbhohen Wände, auf denen Blumentöpfe die Sicht versperrten.

Der Platz war erträglich, mehr aber auch nicht. Trotzdem haben wir uns, bereits gewöhnt an diese seltsame Art von Fremdbestimmung, einfach hingesetzt und keinen anderen Platz verlangt. Aber das Ganze verstimmte mich. Der Platz gefiel mir nicht, und ich fühlte mich ein wenig unhöflich behandelt, da ich wegen ausreichend leeren, größeren Tischen keinen Anlass für einen derartigen „Platzgeiz“ sah.

Generell mag ich es nicht, zu zweit an kleinen 2-Personen-Tischen zu sitzen, denn die 2-er Tische sind meistens so klein, dass wirklich nur 2 Teller drauf passen. Sie sind noch dazu in der Regel in die ungemütlichsten Ecken oder in Durchgänge gequetscht, manchmal auch in den Zugang zur Toilette, weil sie da gerade noch reinpassen. Nicht selten sitzt man mit dem Rücken zum Raum, zur Tür oder im Durchzug und hat so gut wie nie einen schönen Blick.

Es fördert mein Wohlbefinden, neben mir einen weiteren, leeren Stuhl stehen zu sehen, als Sinnbild für Leere, unbesetzten Raum und ein wenig Luft zum Atmen. Das Fehlen davon kann hingegen ein unbestimmtes Gefühl von Ungeschütztheit auslösen.

Das passiert allerdings nicht, wenn ich zu dritt oder zu viert an einem Tisch sitze. Da finde ich leere Stühle überflüssig. Aber das liegt vielleicht daran, dass es in den seltensten Fällen überhaupt 3-er Tische gibt, und 4-er Tische schon familientauglich sein müssen, weshalb sie großzügiger bemessen sind.

Nicht großzügig finde ich es jedenfalls, wenn mir in einem Restaurant ohne ersichtlichen Grund vorgeschrieben wird, wo ich zu sitzen habe. Gerade zum Essen möchte ich mich an einem Ort niederlassen, an dem ich mich wohl fühle und mich gehen lassen kann, z.B. an dem Tisch, für den ich mich instinktiv als erstes entscheide.

Natürlich ist es wichtig, dass auch die anderen Gäste genug Platz haben, auch jene, die erst noch kommen werden oder reserviert haben. Aber warum Platzanweisungen, wenn noch mehrere Tische frei sind und es unwahrscheinlich ist, dass plötzlich 20 Menschen das Lokal stürmen?

Gastfreundlichkeit zeigt sich für mich darum auch darin, dass man sich seinen Platz selbst aussuchen darf.  Zuviel Effektivitätsdenken (meist ohne Effekt, da sowieso nicht genug Gäste kommen) und Platzgeiz kann einem nämlich den Appetit verderben.

Fazit: Ich werde mich nicht noch mal von einem Kellner drängen lassen, an einem ungemütlichen Tisch Platz zu nehmen!

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