Sie sind arbeitslos? Spam als Anstoß zum Hinterfragen (Teil 1)

Auch Spam kann das Bewusstsein erweitern! Spam kann witzig, absurd, bescheuert und verblüffend sein!
Heute kommt dazu der erste Teil. Er befasst sich nur mit dem Betreff einer wundervollen Mail, die ich gestern Abend bekommen habe!

Der Betreff lautet:
„Sie sind arbeitslos?“

Ein schöner Titel, der viel Interpretationsspielraum lässt:

Statt der Formulierung „Sind Sie arbeitslos?“ kommt diese in eine Frage umgewandelte Aussage „Sie sind arbeitslos?“ gleich ein wenig wie eine Unterstellung rüber.
Während „Sind Sie arbeitslos?“ eine sachliche Frage ist, fragt man sich bei „Sie sind arbeitslos?“ auch, was zwischen den Zeilen gemeint ist. Steckt ein Vorwurf dahinter? Ablehnung, Abwertung oder vielleicht nur Ungläubigkeit?

Sie sind arbeitslos? Na dann kriegen Sie doch endlich mal den Arsch hoch!
Sie sind arbeitslos? Betroffenes Schweigen. Ähm, ist ja nicht so schlimm… Themawechsel.
Sie sind arbeitslos? Aha. Können Sie das nachweisen? Sonst müssen sie voll bezahlen.
Sie sind arbeitslos? Was? Bei Ihren Qualifikationen?

Da arbeitslos zu sein in unserer Gesellschaft negativ besetzt ist, werden sich die meisten Betroffenen durch diese Art der Frage wahrscheinlich provoziert oder herabgesetzt fühlen, bzw. ein schlechtes Gewissen bekommen.
Ob Sie darum die Mail eher lesen, auch wenn sie ahnen, dass es sich nur um Spam handelt?
Ist die Wirkung der Frage dafür manipulativ genug?
Wer weiß?

Den psychologischen Effekt, den die Umformulierung einer Aussage in eine Frage produziert, finde ich jedenfalls interessant.

Was passiert, wenn man beide Möglichkeiten, Fragen zu formulieren, gegenüberstellt?

Sind Sie erfolgreich?              oder                    Sie sind erfolgreich?
Sind Sie schön?                                                   Sie sind schön?
Sind Sie impotent?                                             Sie sind impotent?
Kennen sie sich aus?                                          Sie kennen sich aus?
Sind Sie erwachsen?                                          Sie sind erwachsen?

Für mich beinhaltet die klassische Frage eine gewisse „Unschuld“, da sie wirklich auf das inhaltliche abzielt und tatsächlich nur eine sachliche, bejahende oder verneinende Antwort verlangt.

Bei der anderen Art der Formulierung fragt man sich stattdessen, worauf der Frager wirklich hinaus will, was er mit der Frage insgeheim bezweckt oder vermitteln will.
Will er uns mitteilen, was er über uns denkt, will er uns dazu bringen, etwas Bestimmtes zu tun oder zeigt er uns damit seine Ungläubigkeit/ Skepsis?
Der sachliche Inhalt tritt damit in den Hintergrund.

„Du machst die Soße mit Sahne?“
„Wenn’s dir nicht passt, koch doch selber!“

Womit wir beim klassischen Problem, Senden ≠ Empfangen gelandet wären…

Natürlich ist das letztendlich nichts Neues. Aber wer hätte gedacht, dass außgerechnet nutzloser Spam wichtige Fragen zur menschlichen Kommunikation ins Bewusstsein rufen kann?

Vielleicht mag der eine oder andere unter euch ja, angeregt von diesen Text, heute an sich selbst erforschen, wann oder wie häufig er eigene Botschaften, Bedürfnisse, Wünsche, Appelle, etc. nicht klar und deutlich als Sachaussage formuliert, sondern indirekt, z.B. zwischen den Zeilen. Um im Anschluss zu beobachten, wie viele von den indirekten Botschaften auch „richtig“ ankommen (was natürlich manchmal schwer zu überprüfen ist).

Na ja. Manchmal versteht man sich besser, wenn man sich missversteht…

Morgen geht es dann weiter mit dem interessanten Stellenangebot, das zu dem Betreff „Sie sind arbeitslos?“ gehört!

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