Weltflucht und kultivierte Ignoranz

Anhand der Reizüberflutung und dem Überangebot an allem, auch an Kultur, an Filmen, an Büchern etc., muss man, wenn man dennoch gern etwas hinzufügen möchte, Strategien entwickeln, um sich nicht erschlagen und entmutigen zu lassen.

Man kann zum Beispiel Weltflucht betreiben, indem man irgendwo in die Pampa zieht, wo sonst keiner ist, dann vergisst man auch mit der Zeit, dass es überhaupt noch andere gibt.

In der Ungestörtheit kann man seinen Gedanken freien Lauf lassen, man kann neue Konzepte und fantastische Ideen entwickeln, aber vielleicht auch Paranoia oder andere psychische Störungen. Aber selbst das kann interessant sein – aufschürfend, abgrundtief – und vielleicht zu außergewöhnlichen Extremerfahrungen führen, die man anschließend emotional unterstimulierten Wohlstandskindern näher bringen kann. Der Durchbruch ist dann gewiss!

Aber vielleicht kommt es auch anders, und es passiert einfach gar nichts, oder noch schlimmer, man wird langsam aber sicher weltfremd. So weltfremd, dass man den Draht verliert nach draußen und einfach keine Ahnung mehr hat, was in den Welt und in den Menschen vor sich geht. Was zur Folge hat, dass man nicht mehr in der Lage ist, das Lebensgefühl der eigenen Generation zu beschreiben, welche sich doch als Zielgruppe Nr. 1 im Werk wieder finden sollte…

In Maßen ist Weltflucht aber sicher nicht schlecht, auch weil der Blick aus der Ferne, der Perspektivwechsel, so manche neue Erkenntnis oder neue Betrachtungsweise mit sich bringt, und man diese dann endlich mal ungestört, ohne Ablenkung, ohne Lärm, ohne Menschen, ohne Verlockungen in einem Werk umsetzen kann!

Außer Weltflucht zu betreiben hilft in der Überfülle der Urbanität, in der nicht abreißenden Informationsflut und der allgegenwärtigen Medienrealität vielleicht auch eine streng kultivierte Ignoranz, ein Tunnelblick, der sich auf eine winzige, kaum wahrnehmbare Lücke konzentriert.

Mein Fahrlehrer sagte immer, wenn du irgendwo nicht drauf fahren willst, sondern ausweichen, dann schau da bloß nicht drauf! Wo man hinschaut, fährt man automatisch drauf! Schau einfach dazwischen durch, auf die Lücke, dann hast du freie Fahrt, dann gibt’s keinen Zusammenstoß!

Auch wenn ich das beim Autofahren nur mit Mühe hinbekomme und schnell mal irgendwo drauf fahre (bzw. Panik habe, dass es gleich passiert), versuche ich mich zumindest beim „Kreativen Schaffen“ daran zu halten.

Ich schau einfach dazwischen durch. Zwischen den Massen, den Bildern, den Buchstaben, den vielen Einsen und Nullen.
Ich mach mich dünn(e) und geb‘ Gas!

Mal sehen, wo die Reise hinführt…
Ich hoffe, irgendwann auch raus aus dem Tunnel!

2 Gedanken zu „Weltflucht und kultivierte Ignoranz

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