Flüchtiger Asphalt – Poetryfilm

geplante Länge ca. 6 min.

 

 

Konzept

Diese von mir geschriebene Villanelle soll im Film gesprochen werden und auch visuell als typografisches Element auftauchen.

Ich habe bewusst diese alte Gedichtform aus dem 16. Jahrhundert gewählt, inklusive Reimen, damit ein Clash aus alter Form und modernen Bildern entsteht, auch im englischen haben ich diese Form beibehalten. Bei der Übersetzung hatte ich Unterstützung von Elena Kaufman. Der Film wird zweisprachig sein.
Ich arbeite bei experimentellen Videos immer sehr intuitiv, vieles entsteht beim Machen, beim Forschen mit der Kamera und durch Ausprobieren im Schnitt.

Autobahnen, Asphalt, Leuchtreklamen, Unschärfen. Glasfassaden, Rollkoffer, Unterführungen, Anonymität… Grafische Straßenmarkierungen verschmelzen mit Lichtern und Landschaften, schnelle Bewegungen unterbrochen von Stillstand…

Der Film vereinigt Fotos, Bewegtbild, animierte Collagen und visuelle Textzeilen zu einem vielschichtigen Konglomerat. Überlagerungen, Jumpcuts, Bildteilungen, Zeitlupe.

Durch Sampling werden auch die Geräusche zu einem eigenen Rhythmus,  welcher stellenweise durch musikalische Elemente ergänzt wird, mal dichter, mal melodischer, aufbrausend und abebbend.

Dazu der gesprochene Text. Wie ein Mantra, um durchzuhalten. Gegen Ende verweben sich die Stimmern und Sprachen immer mehr ineinander.

Die Zweisprachigkeit schafft neben der Möglichkeit, beide Sprachen einfach als Klang wahrzunehmen, durch die englische und damit international verständliche Fassung auch eine größere Allgemeingültigkeit. Und Leistungswahn, Heimatlosigkeit, emotionale Unverbindlichkeit und Nicht-Mehr-Ankommen-Wollen oder -Können sind alles Folgen unserer getriebenen Gesellschaft sowie der globalisierten Welt. Zunehmend  konkurriert jeder mit jedem und bleibt zugleich austauschbar.

 

TEAM

Die entscheidenenden kreativen Positionen werde ich selbst ausüben: Regie, Kamera, Schnitt, Animation, Grafik, Sounddesign.

Auch musikalische Elemente möchte ich wie in meinen Filmen Closet, Irrläufer oder Immer so weit selbst entwickeln, aber eventuell auch wieder mit dem Sounddesigner und Komponisten Michel Gentner zusammen arbeiten, der z.B. auch für die Musik bei Lichtspuren verantwortlich ist.

Von Michael Gentner möchte ich auch gerne eine professionelle Tonmischung machen lassen. Die Sprachaufnahmen sollen in seinem Studio stattfinden.

Die professionellen Sprecher*innen für den deutschen und den englischen Text, stehen noch nicht fest.

 

SONSTIGES / Hintergründe

Mit Unterstützung des Hilfsfonds Kultur hält zusammen der Dorit & Alexander Otto Stiftung gemeinsam mit der Hamburgischen Kulturstiftung, habe ich mich mit alternativen Präsentationsmöglichkeiten von Literatur im Lockdown beschäftigt.

Ich war auf der Suche nach einer Form, die mehr ist als eine einfache Onlinelesung und nicht Gefahr läuft, wie ein „billiger Ersatz“ für die Live-Veranstaltungen zu wirken, es ging also um Möglichkeiten, Literatur in  Corona-Zeiten anders zu vermitteln. In dem Zusammenhang habe ich mir Verschiedenes angesehen und ausprobiert, und für mich funktioniert es am Besten und Prägnantesten in einem künstlerisch-experimentellen Poetryfilm, vor allem, wenn sich darin auch visuell Poesie entwickelt und alltägliche Sehgewohnheiten gebrochen werden.
Was natürlich aber auch einen viel größeren Aufwand bedeutet, als ein Online-Stream.

Und es eignet sich auch nicht jeder Text dafür. So war mein Experiment, zu versuchen, ein paar meiner eigenen fiktiven Prosatexte in eine neue, inhaltlich geballte Form zu bringen, vorzugsweise als Lyrik, in der sich die Stimmung, die Handlung oder die Leerstellen verdichten, und dadurch ganz anders – intuitiv – aufgenommen werden können. Die Kombination mit Bild, Ton und Musik verstärkt diesen intuitiven Zugang im Film dann weiter.

In dem Zusammenhang ist die Villanelle Flüchtiger Asphalt entstanden, die ich jetzt als Poetryfilm umsetzen will.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich mit Text im Bild arbeite, so war das z.B. auch schon bei Dear Miss Mistress, Kleine Reise oder Immer so weit der Fall.

Auch wenn der Lockdown derzeit ein Ende hat, bleibt für mich die Form des Poetryfilms eine ganz eigene Art, Literatur oder gerade Lyrik zu vermitteln, einfach, weil ein Poetryfilm alle Sinne gleichermaßen anspricht, indem er verschiedene künstlerische Dimensionen auslotet.

So sehe ich Poetryfilme auch als Möglichkeit, eine ganz neue Art von Buchtrailern zu schaffen, welche durch eine starke Stimmung Interesse wecken, ohne den Inhalt klar vorweg zu nehmen, so dass diese Filme für sich ein eigenes Werk bilden. Man könnte diese dann auch direkt bei Lesungen zum Einstieg zeigen, ohne, dass gefühlt eine Dopplung ensteht.
Dazu wäre es, denke ich, auch nicht zwingend notwendig, den Prosa-Inhalt eines Romans in einem Gedicht zu kompromieren, aber statt der sonst üblichen längeren Zitate eignen sich dafür eher kurze pägnate Fragmente , die eventuell Rätsel aufgeben und so die Neugier vergrößern.